Die Wetterprognosen lassen keinen Niesenflug zu, also sage ich meinem Passagier schon gestern Abend ab. Insgeheim denke ich mir, dass eine Nordlage wohl eher eine seltene Gelegenheit sein könnte, wieder mal ein bischen Flachland zu fliegen. Abend, Morgen, ein neuer Tag und ich gehe mittags ins Moos. Niemand da, alle schon (oder noch) oben, also den Turbo befeuert und rauf.
Das klassische Bild, als ich den Startplatz erreiche: Alle Hühner (mit 1 Ausnahme alte Männer des DGCB, das einzige Huhn notabene deutlich als bestaussehend herausstechend) sitzen auf der Stange aka Granitsteine. Erwartet wird mit grosser Spannung der Start von Rampen-Housi mit seinem turmlosen Delta – ja himü plütter, es gibt sie noch! (die Deltisten, Anm. des Ketzers)
Nun, nachdem Housi seinen Start cool durchzieht, werde ich wieder mal wie immer brutal angefeilt. Nur böse Zungen werden jetzt behaupten, es läge an mir, der ich doch immer zurückhaltend und scheu bin! Mein Gurtzeug sehe noch neu aus, ob ich wisse wie das Gas montiert wird, etc etc. Isa die nette legt mir den Schirm aus und will in der Luft dann mitfliegen: ja kes problem. Ich starte, drehe auf, und warte auf Isa… mais Madame ne vient pas! Später sehe ich sie dann, irgendwo rumgurknen, eigene Pläne verfolgend. Ok für mich, so vergeht die nächste Stunde mit Gurtzeug einfliegen, angasen, Beinstrecker testen trälälä.
Die Basis ist nicht hoch, bei 1550 nebelt es um meine Nase. Bartgeier und alte Ketzer scheinen die Wolkenabstände nicht so richtig begreifen zu wollen, item, ich enteile mit dem Gas, das übrigens super eingestellt ist. Ein erster Versuch Richtung Dotzigen zu dampfen, wird knapp über Orpund verworfen – es trägt noch nicht. Also gurke ich zurück, sehe am Landeplatz schon ein paar zusammenlegen und versuche, nochmals Höhe am Bärgli zu machen. Alles im Schatten. Dann doch noch ein Pfupf, wieder rauf bis zur (erlaubten) Nebelgrenze und dann halte ich Ausschau. Ja, die Wolken kommen langsam, mit Winterzeit ist der Sonnenstand auch ok, also nochmals raus.
Direttissima nach Studen, dort mit 800 müM ein Telefon an den Bekannten, den ich schon sehen kann im Garten: “Ja, wir haben Bier, kannst kommen.” Piiieeep, piiiieeep. Naja, einmal drehen liegt noch drin. 0.5 während Minuten, 1.0 während Minuten, Geduld bringt Rosen (von Pfenni gelernt vor zig Jahren), pipipipip, und am Schluss mit 5.0 mit Volldampf auf 1800, Nase schon wieder fast grau, anspiralen, vollgasen, flachländeln fägt. Kappelen mit Akro-Motörler schön umflogen, und auch sonst die Augen offen – see and avoid.
Rufe zuhause an, dass ich gleich Programm fliegen werde über unserem Balkon. Noch ein paar Bilder schiessen vom schönen Sugar City, diese Handies sind praktisch. Die Kinder springen raus und ich höre sie von hoch oben rufen. Natürlich lasse ich nichts anbrennen, und meine Nachbarin meinte, ihr sei vom zusehen schlecht geworden. Naja, wenn der Schirm dem Boden näher ist als der Pilot…
Ein geiler Flug, und es wäre fast überall noch gut gestiegen – aber einmal muss Schluss sein, denn der Grill beim Schwager wartete ja auch schon. Ein schöner Sonntag.
ändu

PS: Ja, es ist mein zweiter Beitrag heute, ein Anfall, denn des Ketzers Credo ist “Tree huggers and ocean lovers do it electronically.”